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Neueste Fortschritte in der Skoliose-Chirurgie

Forscher arbeiten kontinuierlich an fortgeschrittenen Techniken, um Skoliose effizient zu behandeln. Es gibt heutzutage einige chirurgische Eingriffe, die behaupten, Skoliose behandeln zu können. Die meisten Verfahren die zur Behandlung von Skoliose durchgeführt werden beinhalten im Wesentlichen die Verwendung von Implantaten, die in die Wirbelsäule geschraubt werden, um ein weiteres Krümmen zu verhindern, das “Verschmelzen” von Wirbeln, um die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Krümmung zu verringern, und die Ostektomie (chirurgische Entfernung von Knochenstücken).

Patienten sind häufig skeptisch, sich einem invasiven Eingriffen wie der Wirbelsäulenchirurgie zu unterziehen. Operationen haben aus Sicht des Patienten massive Nachteile in Bezug auf Schmerzen, der Notwendigkeit einer Anästhesie und der Unvorhersehbarkeit der Ergebnisse nach solchen langwierigen invasiven Eingriffen.

In jüngster Zeit haben nur wenige neuere Vorgehensweisen einen Einfluss auf die Behandlung von Skoliose. Diese sind:

  1. Dynamische Skoliose Korrektur (DSK)
  2. Mitwachsendes Stabsystem
  3. Api Fix Korrektursyste

1) Dynamische Skoliose Korrektur (DSK)

Die Dynamische Skoliose Korrektur, auch VBT, Vertebral Body Tethering oder ASC, Anterior Scoliosis Correction genannt ist eine der neueren Techniken zur Behandlung von Skoliose. Der Chirurg nimmt den Eingriff über die Seite des Patienten vor. Die unterste Rippe wird dabei entfernt, gefolgt vom Entfernen und / oder Umformen einiger Bandscheiben. Ein Knochentransplantatmaterial wird zwischen einige der Bandscheiben gelegt, um das Zusammenwachsen zu erleichtern.

DSK ist zur Behandlung von Skoliose bei Erwachsenen nicht wirksam. Für heranwachsende Kinder ist ein chirurgischer Eingriff sowohl mental als auch physisch traumatisch. DSK ist ein Fortschritt auf dem Gebiet der Skoliosebehandlung, aber die Forschung diesbezüglich ist noch nicht abgeschlossen.

Obwohl der Eingriff als wirksam betrachtet wird, muss ein mögliches Risiko in Betracht gezogen werden. Um Zugang zu den Rippen und der Wirbelsäule zu bekommen, muss der Chirurg einen relativ grossen Schnitt an der Seite des Körpers vornehmen, wodurch eine Narbe entsteht. Dies macht das Verfahren ästhetisch unangenehm. Dieses Verfahren wird als größerer chirurgischer Eingriff betrachtet und muss unter muss unter Vollnarkose durchgeführt werden.

Cicatrices formées suite à différentes chirurgies de la colonne vertébrale

Abgesehen von dem invasiven Eingriff kann eine Operation auch andere Probleme mit sich bringen. Beispielsweise Schmerzen nach der Operation und die Notwendigkeit, den gesamten Körper für eine lange Zeit zu immobilisieren. Diese Operation führt zu einer plötzlichen anatomischen und strukturellen Verschiebung des Körpers, die sich auch auf die normale Atmung und auch auf die Herzfrequenz auswirken kann, da die Operation eventuell Auswirkungen auf die Position und Funktion bestimmter Organe im Körper haben kann.

Die anderen mit diesem Verfahren verbundenen Risiken können Infektionen, neurologische Komplikationen oder das Lösen der Schraube sein, was eine zweite Operation erforderlich macht. Die möglichen unerwünschten Folgen sind bisher nicht gut dokumentiert.

2) Mitwachsendes Stabsystem

Das mitwachsende Stabsystem arbeitet mit einer externen Fernbedienung außerhalb des Körpers des Kindes, um den magnetisch gesteuerten Stab während der Wachstumsphase des Kindes zu verlängern. Chirurgen sind der Meinung, dass das magnetische Stabsystem ein minimalinvasiver Eingriff ist. Das Kind muss sich dennoch einer OP unterziehen, in der die Schrauben in die wachsende Wirbelsäule implantiert, welche dann mit dem Magnetgerät außerhalb des Körpers gesteuert werden.

Die Schrauben werden oberhalb und unterhalb der Krümmung chirurgisch an der Wirbelsäule befestigt und dann während der nachfolgenden chirurgischen Eingriffe verlängert. Dies geschieht, damit die Wirbelsäule weiter wachsen kann, während die Krümmung behandelt wird, bis das Kind alt genug für eine Wirbelsäulenfusion Operation ist.

Scoliosis-hires

Alastair Beaven stellte 2018 in seiner Studie fest, dass die Wahrscheinlichkeit eines Versagens dieser Technik bei Kindern die wegen Skoliose behandelt werden, zwischen 29 und 50% liegt. Beaven erlangte diese Ergebnisse über einen Beobachtungszeitraum von 2 Jahren. Dies wirft die Frage nach der Vorhersehbarkeit und Unsicherheit dieses Verfahrens auf, obwohl einige von ihnen als wirksam eingestuft werden.

Das mitwachsende Stabsystem kann auch einige technische Komplikationen mit sich bringen. Z. B. kann sich eine Schraube löse, der Stab kann sich nicht verlängern, Metallteile können brechen und es können Infektionen entstehen die zusätzliche Operationen erforderlich machen. Darüber hinaus haben einige Fälle keine Verbesserung des Cobb-Winkels nach dem Eingriff mit sich gebracht.

Dieses Verfahren beseitigt keinesfalls die Notwendigkeit einer Operation. Es kann sogar mehrere Operationen oder mindestens eine zweite Operation zur Wirbelsäulenfusion erfordern, nachdem ihr Kind die Skelettreife erreicht hat. Darüber hinaus muss ihr Kind das physische und mentale Trauma mehrerer Krankenhausbesuche durchlaufen, um die implantierten Schrauben festzuziehen und / oder zu verlängern, wie von Dr. Shannon Kelly selbst, einer orthopädischen Chirurgin in Washington, USA, erklärt wird.

FACT CHECK

“Our series is the most comprehensive MCGR series published to date, and we present a mechanical failure rate of 29%. Clinicians should be mindful of the discrepancies between ERC length and radiographic measurements of rod length; other modalities may be more helpful in this regard”

Author: Alastair Beaven
Asian Spine Journal, 2018

Chirurgische Eingriffe können sich nach Ansicht der Experten auch negativ auf das Gesamtwachstum des Kindes auswirken. Knochengewebe von Kindern ist sehr anfallsreich für Verletzungen. Knochen sind ein dynamisches Gewebe, welches bis die Skelettreife erreicht ist, wächst. Verfahren, die invasive und traumatische Techniken wie das Einsetzen von Schrauben in den Knochen mit sich bringen, können zu einer Hemmung des Knochenwachstums führen, was wiederum zu einer Wachstumsverzögerung führt.

3) Api Fix Korrektursystem

Ein weiterer Fortschritt, der sich noch in der Entwicklungsphase befindet. Api Fix ist eine neu entwickelte chirurgische Behandlung für Skoliose, bei der es sich nicht um eine Fusionsbehandlung handelt. Es soll den Krümmungspunkt verringern und nur verwendet werden, wenn das Progressionsrisiko gering ist.

Demonstration of Apifix placed in the spine and the surgical wound

Obwohl es ein vielversprechendes Verfahren zur Behandlung von Skoliose darstellt, beseitigt dieses Verfahren auch nicht die Notwendigkeit, sich einer Operation unter Narkose zu unterziehen. Api Fix ist ein Implantat, das wie auf dem Bild gezeigt an der Wirbelsäule befestigt wird. Es ist ein zeitaufwändiger Prozess, der in zwei Phasen durchgeführt wird. Erstens erfordert die Implantation eine Operation am Rücken, die eine Narbe hinterlässt.

Zweitens werden am Rücken Bohrlöcher angebracht, um das Implantat zu befestigen. Obwohl dies als „minimal invasiver Eingriff“ bezeichnet wird, müssen sie sich einer ersten Operation unterziehen, und weitere Folgeoperationen können nicht ausgeschlossen werden.

FACT CHECK

“The percentage of deformity correction with Apifix is around 50%”

Author: Yizhar Floman
BMC, Scoliosis and Spinal disorders, 2015

Api Fix ist technisch gesehen ein metallisches Gerät. Eine Fehlfunktion dieses Geräts oder ein Bruch des Geräts ist eine Möglichkeit, die zu Komplikationen führen kann. Dadurch kann die Notwendigkeit weiterer invasiver Operationen für den Patienten entstehen. Schraubenbruch, Verlagerung und Infektion des Bereichs durch die Operation können den Zustand verschlechtern und zu weiteren Komplikationen führen, bei denen die Behandlung sogar komplex und invasiv werden kann.

Derzeit liegen keine klinischen Langzeitstudien mit einer größeren Patientenpopulation vor, um die Erfolgsraten dieses Verfahrens klar zu verstehen.

Sind neuere chirurgische Therapieformen zuverlässig?

Aus Forschungs- und klinischer Sicht sind sie es nicht!

Es gibt chirurgische Therapien, die in der Medizin vorhersehbare Ergebnisse erzielen können. Bei Erkrankungen wie Skoliose weist eine Operation jedoch größere Nachteile und Risiken auf als eine nicht-chirurgische Behandlung. Die Verwendung des Begriffs „Minimalinvasive Chirurgie“ wird häufig von Chirurgen eingesetzt. Chirurgie ist jedoch immer invasiv und ist nicht frei von den in diesem Buch zuvor erwähnten Risiken.

Was sagen Studien?

Bisher gab es keine definitiven Ergebnisse für die neuen Behandlungsoptionen für Skoliose. Die meisten neueren Therapien befinden sich in ihrer experimentellen Phase und liefern daher keine vielversprechenden Ergebnisse, wie einige von ihnen behaupten. Die unzureichenden Beweise für diese Verfahren wurden von den meisten praktizierenden Chirurgen nicht gut wahrgenommen.

Wenn neuere Verfahren entwickelt und in der Literatur beschrieben werden, wird das tatsächliche Ergebnis des Verfahrens in großen Studienproben nicht nachgewiesen. Jeder Einzelne Patient ist anders und nicht alle Verfahren sind für jeden geeignet. Diese Faktoren werden generell in solchen Studien nicht berücksichtigt, um den Einsatz der Technik oder des kommerziellen Gerätes zu fördern. Dies macht die Berichte weniger authentisch und einige der Studien sind von einigen Unternehmen zu Werbezwecken stark beeinflusst.

Da sich die Techniken drastisch ändern, müssen auch komplexe Geräte und Instrumente eingesetzt werden. Dies kann die Gesamtkosten für das Verfahren erhöhen und es somit für die meisten Patienten unerschwinglich machen. Mit einem ausgefeilteren Verfahren ist auch der Anspruch nach verfeinerten Fähigkeiten des Chirurgen verbunden.

Die Chirurgen, die diese Techniken durchführen, müssen intensiv in den Verfahren geschult werden. Der Mangel an benötigten Fähigkeiten und die Durchführung eines komplizierten Verfahrens erhöhen die Risiken und führen zu unerwünschten Ergebnissen. Auch die minimalinvasiven Verfahren können Risiken bergen:

  • Minimalinvasive Eingriffe verringern nicht das Risiko von Komplikationen wie Infektionen, Blutungen und Risiken im Zusammenhang mit der Anästhesie.
  • Da der Bewegungsradius der Instrumente begrenzt ist, besteht die Möglichkeit, dass auch andere Körperteile unbeabsichtigt verletzt werden.
  • Einige Verfahren können länger dauern als erwartet.
  • Der Operationsbereich ist beschränkt einsehbar, was die Leistung des Chirurgen einschränkt und damit zu Fehlern führen kann.

Skoliose-Operationen werden häufig bei Jugendlichen oder Kleinkindern durchgeführt. Ein Versagen kann sich nachteilig auf die physische und psychische Entwicklung des Kindes auswirken. Wiederholte Operationen können traumatisierend sein und das Selbstvertrauen im Laufe der Zeit verringern.

“Weniger ist oft mehr wenn es zu Wirbelsäulenoperationen kommt” – Dr. KLEEMAN

Es gibt buchstäblich keine Mikro- oder minimale Invasivität in der Wirbelsäulenchirurgie. Die meisten Operationen sind umfangreich und invasiv und mit eigenen Risiken verbunden. Darüber hinaus erfordert eine Operation lange Krankenhausaufenthalte, eine längere Erholungszeit, Arbeits- und Freizeitausfall. Dies kann mit anderen nicht-chirurgischen Behandlungsoptionen vermieden werden.

Zudem eignen sich nicht alle Personen für eine Operation. Patienten mit anderen Krankheiten sind für eine Operation kontraindiziert oder eine Anästhesietauglichkeit ist für sie nicht leicht zu erreichen. Während eine nicht-chirurgische Behandlung bei allen Personen sicher durchgeführt werden kann, ohne sich um Schmerzen, operative Komplikationen, Krankenhausaufenthalte und den Kostenfaktor sorgen zu müssen.

Es ist daher wichtig, diese Fakten zu kennen, bevor sie sich für eine Behandlung der Skoliose entscheiden. In der modernen Praxis besteht ein weit verbreiteter Trend, die Chirurgie gegenüber nicht-chirurgischen Behandlungen zu fördern, in der Überzeugung, dass die Chirurgie endgültig und immer heilend ist. Dieses Missverständnis verbreitet sich drastisch in der allgemeinen Bevölkerung und das Hauptmotiv dieses Buches besteht darin, die Ansicht diesbezüglich neu zu definieren.

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